Wissen
04,08,21

Frühkindliche Reflexe in der Übersicht (mit Beispiel und Tabelle)

Du fragst dich “was sind angeborene Reflexe und welche frühkindlichen Reflexe gibt es?”, dann haben wir für dich hier alles Wissenswerte kurz zusammengefasst. Frühkindliche Reflexe sind für ein Baby überlebensnotwendig, da sie ganz unbewusst Nahrungsaufnahme und Selbstschutz ermöglichen. Nachfolgend gehen wir auf alle wichtigen Babyreflexe kurz ein und geben dir interessante Hintergrundinformationen zu diesem Thema. Dabei erklären wir dir ein paar wissenschaftliche Fachbegriffe und beschreiben anhand von Beispielen das Auftreten und den Nutzen von den frühkindlichen Reflexen. Die Informationen sollen dir einen schnellen Überblick geben, eine ärztliche oder medizinische Untersuchung (z.B. im Rahmen der frühkindlichen Untersuchung des Kinderarzt (U2) zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag) jedoch auf keinen Fall ersetzen.

Die wichtigsten angeborenen Babyreflexe

Nachfolgende Grafik zeigt dir anschaulich eine Tabelle mit den Babyreflexen in der Übersicht und bis zu welchem Lebensmonat sie wieder verschwinden.

fruehkindliche-reflexe

Foto © Paul & Lori: Wie lange bleiben angeborene Reflexe?


Babkin-Reflex

Um den Babkin-Reflex zu untersuchen drückt der Arzt mit dem Daumen gleichzeitig in die beiden Handfläche des Babys. Als Reflexreaktion öffnet sich der Mund. Greife daher deinem Baby nicht in die Handinnenflächen während dem Stillen oder beim Füttern, da der Babkin Reflex sonst ausgelöst werden kann. 

Wie lange bleibt der Babkin Reflex? Der Babkin-Reflex verschwindet bis ca. zur 10. Lebenswoche und persistiert (= anhalten) nur in ganz ganz seltenen Fällen bei der infantilen Zerebralparese (ICP - Bewegungsstörung durch frühkindliche Hirnschädigung).

 

Schreitreflex

Du kannst den Schreitreflex mit deinem Baby selbst und einfach ausprobieren, wenn du möchtest. Halte das Baby aufrecht unter den Achseln, sodass die Fußsohlen, den Boden oder eine feste Unterlage berühren. Das Baby wird mit seinen Beinchen instinktiv Strampelbewegungen machen, die aussehen wie kleine Schritte (die sog. Schreitbewegung). Der Nutzen des Schreitreflex ist wissenschaftlich noch nicht ganz klar. Es wird angenommen, dass er im Babybauch zur Hirnreifung, Entwicklung der Beinmuskulatur und dem Baby zur Einnahme der richtigen Geburtsposition nützt. 

Wie lange bleibt der Schreitreflex? Der angeborene Schreitreflex wird auch Schreitreaktion oder Schreitautomatismus genannt und verschwindet im Alter von ca. 3 Monaten.

 

Suchreflex

Die Nahrungsaufnahme ist für jedes Baby überlebenswichtig. Deshalb besitzen Babys von Natur aus den Suchreflex (auch “Rooting Reflex” oder “Brustsuchen” genannt). Streichle den Mundwinkel deines Babys an einer Seite - durch den Suchreflex dreht sich der Kopf des Babys in die Richtung der Berührung und der Mund öffnet sich. 

Wie lange bleibt der Suchreflex? Der Suchreflex bleibt bis in den 3. Monat.

 

Galantreflex

Der Galantreflex wird auch Rückgratreflex genannt und gehört zur Gruppe der tonischen Reflexe, welche die Körperhaltung und die Muskulatur regulieren. Der angeborene Galantreflex kann von dir oder einem Arzt ausgelöst werden, wenn man dem Baby mit dem Fingernagel über die Haut entlang der Wirbelsäule streicht. Das Baby dreht seinen Rumpf und Wirbelsäule in die Richtung der Berührung. Der Galantreflex erleichtert die Geburt für Kind und Mutter, durch das ausgelöste Drehen beim Passieren des Geburtskanals. 

Wie lange bleibt der Galantrefelx? Der Galantreflex verschwindet etwa im 3. Monat.

 

Saugreflex, Schluckreflex & Würgereflex

Saugreflex, Schluckreflex und Würgereflex sichern ebenso wie der bereits beschriebene Suchreflex die Nahrungsaufnahme für das Baby. Berührt man den Gaumen des Babys, fängt es instinktiv an zu saugen. Sobald Nahrung oder Flüssigkeit in den Mund gelangt, wird diese runtergeschluckt. Automatisch wird die Nahrung in die Speiseröhre weitertransportiert ohne in die Luftröhre zu gelangen. 

Wie lange bleibt der Saugreflex? Der Saugreflex wird nach ca. 4 Monaten durch bewusstes Saugen ersetzt. Der angeborene Schluckreflex als Transport von Nahrung in die Speiseröhre sowie der Würgereflex bleiben übrigens das gesamte Leben lang erhalten.   

 

Moro-Reflex

Der Moro Reflex ist ein Umklammerungsreflex der häufig auch Moro Reaktion genannt wird. Er entwickelt sich in der neunten Schwangerschaftswoche und wird durch eine abrupte Änderung der Kopfposition, plötzliche Erschütterungen, laute Geräusche oder grelles Licht ausgelöst. Wissenschaftler nehmen an, dass sich Babys durch den Moro Reflex in einer Gefahrensituation kräftig an die Mutter klammern, um so Schutz zu finden. Wird der Moro Reflex ausgelöst öffnet das Baby den Mund und streckt seine Hände und Arme mit gespreizten Fingern nach oben. Um dein Baby zu schützen solltest du versuchen den Moro Reflex zu vermeiden oder ihn nur von einem Kinderarzt auslösen lassen.

Wie lange bleibt der Moro Reflex? Bis zum 4. Monat verschwindet der Moro Reflex wieder.

 

Greifreflex 

Der Greifreflex (auch Palmarreflex, Plantargreifreflex oder Robinson Reflex genannt) ist sicherlich der bekannteste und beliebteste Babyreflex. Er löst übrigens sowohl an der Hand, als auch am Fuß aus! Lege beispielsweise deinen Finger in die Handfläche des Babys und durch den Druck auf der Handfläche greift das Baby als Reflexantwort automatisch die Hand. Dieser Greifreflex ist so kräftig, dass sich ein Neugeborenes sogar an einer Stange festhalten könnte und diente früher dazu sich an der Mutter festzuklammern. 

Wie lange bleibt der Greifreflex? Bei den Händen ist der Greifreflex bis zum 6. Lebensmonat zu beobachten und bei den Füßchen sogar bis Ende des ersten Lebensjahres. 

 

Atemschutzreflex 

Der primitive Atemschutzreflex von Babys ist eine unbewusste reflexartige Blockade der Atmung durch den Kehlkopf. Sobald Mund und Nase mit Wasser in Kontakt kommen, verhindert dieser automatisch das Einatmen von Wasser in die Lunge. Er wird umgangssprachlich auch Tauchreflex genannt, da er für verschiedene Tauchübungen bei dem beliebten Babyschwimmen, einer spielerischen Eltern-Kind-Gymnastik im Schwimmbad, genutzt wird. Auch den Schwimmreflex besitzen Babys übrigens von Geburt an. Wenn man ein Baby horizontal vorsichtig an der Oberfläche des Wassers hält, beginnt es reflexartige Bewegungen zu machen, die denen des Schwimmens von Erwachsenen stark ähneln. Tolle Kurse für’s Babyschwimmen gibt es sicherlich auch in den Schwimmbädern deiner Stadt. Probiere es doch mal aus!

Wie lange bleibt der Atemschutzreflex? Der Atemschutzreflex (Tauchreflex) verschwindet ca. 6 Monate nach der Geburt. Niesreflex und Hustenreflex sind übrigens ebenfalls Atemschutzreflexe. Diese bleiben Menschen jedoch lebenslang erhalten.

 

Steigreflex 

Der Steigreflex ist ein weiterer frühkindlicher Babyreflex im Bereich Selbstschutz (Geburtsvorgang) und wird auch als Placing-Reaktion beschrieben. Der Name Steigreflex hat sich daraus abgeleitet, dass es fast so aussieht als steigen Babys eine Treppenstufe hoch, wenn man diesen angeborenen Reflex auslöst. Um ihn zu testen, halte dein Baby unter den Achseln so in die Luft, dass der Fußrücken deines Babys einmal vom Fußgelenk bis zu den Zehen an einer Tischkante entlang streift. Dein Baby wird unbewusst sein Knie anziehen und Fuß beugen, als ob es eine Stufe nach oben steigen wollte.

Wie lange bleibt der Steigreflex? Der Steigreflex verschwindet nach ca. 6 Monaten.

 

Asymmetrisch Tonischer Nackenreflex (ATNR) 

Der Asymmetrisch Tonische Nackenreflex (ATNR) unterstützt ebenfalls den Geburtsvorgang. Er kann ausgelöst werden, wenn das Baby auf dem Rücken liegt und man den Kopf des Babys auf die Seite dreht. Der Arm und das Beinchen in Blickrichtung werden automatisch gestreckt und die anderen beiden angewinkelt. Dreht man den Kopf auf die andere Seite streckt und beugt sich jeweils der andere Arm und Bein. 

Wie lange bleibt der ATNR? Der Asymmetrisch Tonische Nackenreflex (ATNR) verschwindet nach der Geburt mit der Zeit, kann aber noch bis zum 6. Lebensmonat beobachtet werden.

 

Symmetrisch Tonischer Nackenreflex (STNR) 

Anders als der ATNR unterstützt der Symmetrisch Tonische Nackenreflex (STNR) nicht den Geburtsvorgang, sondern erreicht erst zwischen dem 6. und 9. Lebensmonat seine stärkste Ausprägung. Er hilft dem Baby sich in den Vierfüßlerstand aufzurichten und sich auf seinen Händen und Knien zu stabilisieren. Der STNR wird ausgelöst, wenn der Kopf zur Brust gebeugt wird. Dann beugen sich symmetrisch die beiden Arme und strecken sich symmetrisch die beiden Beinchen. Andersrum funktioniert der STNR auch. Streckt das Baby seinen Kopf etwas in den Nacken beugen sich die Arme und die Beinchen strecken sich. 

Wie lange bleibt der STNR? Der Symmetrisch Tonische Nackenreflex (STNR) zeigt sich zwischen dem 6. bis 9. Monat am deutlichsten und verschwindet auch schon direkt im 9. Monat wieder.

 

Babinskireflex

Beim Babinskireflex wird vermutet, dass er den Geburtsvorgang unterstützt. Er zeigt sich indem man die Fußsohle des Babys z.B. mit dem Fingernagel von der Verse aus in Richtung des kleinen Zehs entlang streicht. Als Reflexreaktion winkelt sich der Großzeh an und die anderen Zehen spreizen sich.

Wie lange bleibt der Babinskireflex? Der Babinskireflex verschwindet bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Persistiert (= anhalten) der Babinskireflex darüber hinaus erschwert er dem Baby das Laufen lernen. Dieser Fall tritt aber nur sehr sehr selten auf.

 

Vestibulookulärer Reflex (VOR) 

Der Vestibulookulärer Reflex (VOR) sorgt dafür, dass sich die Augen bei raschen Kopf- oder Körperbewegungen in eine bestimmte Richtung, die Augen mit gleicher Geschwindigkeit in die entgegengesetzte Richtung bewegen, um einen Gegenstand oder eine Person weiterhin fixieren zu können. Ohne den VOR würden sich die Augen starr wie bei einer Puppe mit dem Kopf mitbewegen. 

Wie lange bleibt der Vestibulookulärer Reflex (VOR)? Bis zum 10. Lebenstag sollte der Vestibulookulärer Reflex (VOR) vollständig ausgeprägt sein. Ab dann bleibt der VOR das ganze Leben lang erhalten.

 

Tonischer-Labyrinth-Reflex (TLR) 

Den Tonischen-Labyrinth-Reflex (TLR) gibt es vorwärts und rückwärts. Sowohl der TLR vorwärts als auch der TLR rückwärts werden durch den Gleichgewichtssinn im Ohr ausgelöst und helfen dem Baby den eigenen Körper im Raum und die Schwerkraft wahrzunehmen. Beim TLR vorwärts nimmt das Baby die fötale Beugehaltung ein. Wird der Kopf nach vorne gebeugt, werden Arme und Beine eng an den Körper gewinkelt. Der TLR rückwärts bereitet das Baby schließlich auf den Geburtsvorgang vor und hilft dem Baby sich aufzurichten. Wir der Kopf in den Nacken gestreckt öffnet sich auf der ganze Körper des Babys aus der fötalen Beugehaltung in die Streckung. 

Wie lange bleibt der Tonischen-Labyrinth-Reflex (TLR)? Der Tonischen-Labyrinth-Reflex vorwärts (TLR vorwärts) verschwindet nach ca. 4 Monate. Der TLR rückwärts ist sogar bis zu einem Alter von 3,5 Jahren noch zu beobachten.

 

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